Wegen erheblicher Zweifel an Sinn und Kosten und fehlenden Kernzone-Flächen wurde das geplante UNESCO-Biosphärenreservat Spessart auf Eis gelegt.
Es geschah keine 100 Kilometer nördlich von Stuttgart: der Traum von einem UNESCO-Biosphärenreservat im Spessart. Und er scheiterte kläglich. Warum eigentlich?
Baden-Württembergs Umweltministerin Thekla Walker, die ähnliche Biosphärenträume hegt, sollte sich gut durchlesen, was der SPHÄRMAN herausgefunden hat.
Wer im Spessart wandert, hört das leise Murmeln alter Bäume, das Knarzen von Eichen, das helle Wispern junger Buchen. Ein Wald voller Geschichten. Und seit ein paar Jahren auch voller Konflikte.
Im Jahr 2020, irgendwo zwischen Pandemie-Endzeitstimmung und Klimadiskurs, beginnt etwas zu wachsen. Kein Baum, sondern eine Idee: der Spessart als UNESCO-Biosphärenreservat. Ein Versprechen von Nachhaltigkeit, Beteiligung und weltweiter Sichtbarkeit.
Forscher Beginn
Im Sommer 2022 nimmt das Projekt Fahrt auf. Die Landkreise Aschaffenburg, Miltenberg, Main-Spessart sowie die Stadt Aschaffenburg geben eine Machbarkeitsstudie in Auftrag. Der Ton ist optimistisch, die Pläne ambitioniert: Eine nachhaltige Modellregion soll entstehen. Mit Kern-, Pflege- und Entwicklungszonen. Mit Beteiligung aus der Bevölkerung. Und natürlich mit viel UNESCO-Glanz.
„Ich wünsche dem Spessart, dass die derzeit stattfindende Diskussion das Bewusstsein für die Notwendigkeit aber auch für die großen Chancen einer nachhaltigen Entwicklung fördert“, erklärt Thomas Habermann, CDU-Landrat im Landkreis Rhön-Grabfeld, der Teil des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön ist.
Die frommen Wünsche sind kein Zufall, denn Habermann ist neben seiner Tätigkeit als politischer Verwaltungsbeamter auch Mitglied des deutschen Nationalkomitees für das UNESCO-Biosphärenprogramm.
Bürgerforen, Jugendworkshops, digitale Mitmachkarten – die Beteiligungsoffensive rollt an. Schon im November 2022 kann man im Bürgerforum Spessart zwischen Thementischen wandeln wie durch einen Markt der Ideen. Von „Tourismus und Region“ bis „Landnutzung und Waldwirtschaft“ wird nichts ausgelassen.
Die Präsentation ist professionell, das Interesse gemischt, die Stimmung freundlich-distanziert. Genauso wie man es in Oberschwaben und im schwäbischen Allgäu erlebt, wo das sogenannte „Prozessteam“ Reklame für das Biosphärenreservat macht. Vorläufiges Fazit: Es sieht nicht so schlecht aus für das Schutzgebiet im Spessart.
Manipulative Umfrage simuliert breite Zustimmung
Das war mal anders. Im Jahr 2017 waren Pläne für einen Nationalpark in Unterfranken am Widerstand der Holzwirtschaft gescheitert. Jahre später versuchen Politiker erneut, dort ein Biosphärenreservat einzurichten. Auf Biegen und Brechen. Sie bedienen sich dabei fragwürdiger Tricks. Zum Beispiel wird eine hingebogene Umfrage initiiert, die Zustimmung der Bevölkerung suggeriert.
Um dem Eindruck entgegenzuwirken, dass sich die Spessartbürger so gut wie gar nicht für die Biosphärenfrage interessieren, wird aus dem Landratsamt Main-Spessart von Sabine Sitter (CSU) eine Onlineumfrage angeregt, die im März und April 2023 durchgeführt wird.
Das wenig überraschende Resultat bescheinigt den Auftraggebern breite Zustimmung zum Biosphärenreservat und landet prompt in wohlmeinenden Qualitätsmedien.
Unter anderem beim zwangsfinanzierten BR, der monatelang unverhohlene Biosphärenwerbung versendet und → hier zusammenfassend meldet: „Bei einer Onlineumfrage im letzten Jahr sprachen sich 71% für die Biosphärenregion aus.“
Was im BR-Beitrag keine Erwähnung findet, sind die Umstände, wie diese Zahl zustande kam: An dieser Umfrage nahmen nur 3.180 Personen teil, obwohl im betroffenen Einzugsgebiet rund 450.000 Menschen (!) leben.
Grüne und der riesige vom Land Bayern üppig geförderte Wander- und Naturschutzverein Spessartbund (10.000 Mitglieder in 80 Ortsgruppen, Präsident ist der CSU-Landtagsabgeordnete, Aschaffenburg-Stadtrat und Jura-Professor Winfried Bausback) warben unter ihrer Klientel intensiv um die Teilnahme an der Befragung. Jenseits dieser homogenen Zielgruppen erfuhren nicht viele von der Umfrage.
So kreiert die Politik ein passendes Ergebnis für die Öffentlichkeitsarbeit und kann fürderhin behaupten, dass die Bürger hinter ihren Plänen stehen.
Vollversorgte Protagonisten wie in Südschwaben
Wer sind die Biosphärenwerber? Die wichtigsten Protagonisten des unterfränkischen Biosphärentraums entstammen urbanen Milieus und ergriffen Berufe, die sie direkt in die Arme des Staates führten. Es sind wirtschaftsferne Politik-Funktionäre.
- Main-Spessart-Landrätin Sabine Sitter, eine eher links orientierte CSU-Frau und studierte Sozialarbeiterin.
- Aschaffenburg-Landrat Alexander Legler von der CSU, ein Verwaltungsjurist, Kommunalrecht-Lehrer und Vollblutbeamter.
- Miltenberg-Landrat Jens Marco Scherf von den Grünen, ein studierter Lehrer, der früher bei der Jungen Union war.
- Aschaffenburgs Oberbürgermeister Jürgen Herzing von der SPD, ein ehemaliger Feuerwehrmann und Rettungssanitäter.
Diese Menschen leben in einer anderen Wirklichkeit als der Großteil jener Bürger, die sie vorgeben zu vertreten. Und aus deren Steueraufkommen sie sorgenfrei ihren Lebenssaft saugen.
Zwischen Zuversicht und Zweifel
Weiter in der Geschichte des gescheiterten UNESCO-Biosphärenreservats Spessart. Im Herbst 2023 erscheint die Broschüre „Biosphärenregion im Spessart“. Sie ist der wichtigste Informationsträger des Projekts. Darin wird ausgerechnet das Biosphärenreservat Rhön gelobt, das in drei verschiedenen Bundesländern liegt.
Aber genau dort knallt es heftig, weil sich in jenem Biosphärendrittel, das in Thüringen liegt, 21 Bürgermeister und ein Landrat vom Umweltministerium in Erfurt über den Tisch gezogen fühlen. Zurecht, denn auf das vielbeschworene Mitspracherecht der Kommunen wird gepfiffen.
Irre: Völlig willkürlich wurden dort die Kernzonen verdoppelt, obwohl dies vonseiten der UNESCO gar nicht verlangt wird. Der aus Kißlegg im Allgäu stammende Umweltminister Bernhard Stengele lügt und behauptet das Gegenteil. Das Manöver kommt einem Landraub gleich, den die neue Regierung des Freistaates bis heute nicht rückgängig macht.
Alle Details über den frechen Betrug des ultralinken Theatermachers und Öko-Politikers Bernhard Stengele aus dem schwäbischen Allgäu stehen → hier.
Die Spessart-Bevölkerung bekommt von den Zuständen in Thüringen wenig mit. Glück für die Biosphärenträumer. Sie machen weiter Verheißungen, die nicht haltbar sind. Zum Beispiel: „Über bereits durch andere Vorgaben bestehende Einschränkungen hinaus, wie beispielsweise Förderrichtlinien, gesetzliche Regelungen oder bestehende Schutzkategorien, wird es in einer Biosphärenregion keine weiteren Einschränkungen geben.“
Das bleibt trotz gebetsmühlenhafter Wiederholung eine extrem unseriöse Behauptung, denn es ist völlig unberechenbar, mit welchen Verordnungen oder Gesetzen Land, Bund und Europäische Union Schutzgebiete künftig bombardieren.
Das Abschlussforum der Biosphärenmacher im November 2023 war gut besucht. Ein Zwischenfazit zeichnete sich ab: Ja, das könnte was werden – wenn genug Gemeinden mitmachen.
Und genau da lag der Hund begraben. Denn was auf dem Papier gut klang, wurde in den Gemeinderäten zum politischen Drahtseilakt. „Kernzone“ wurde zum Unwort. Einige Kommunen signalisierten Unterstützung. Andere winkten ab: zu viel Regulierung, zu wenig konkreter Nutzen, zu viele Fragezeichen.
Bei der öffentlichen Präsentation der Machbarkeitsstudie im November 2024 in der Stadthalle Lohr wurde plötzlich klar: Oh weh! Das könnte danebengehen. Fazit in der Tageszeitung Main-Echo: „Die Skepsis der zahlreichen Biosphären-Gegner, das zeigte der Verlauf des Abends, hat die Präsentation der Studie und auch das eindringliche Werben der drei Landräte und des Aschaffenburger Oberbürgermeisters nicht ausgeräumt.“
Die Grenzen der Geduld
Der Spessart ist kein reines Naturschutzgebiet. Er ist Wirtschaftsraum, Jagdrevier, Heimat für Generationen von Waldbesitzern. Ein UNESCO-Biosphärenreservat verlangt aber klare Regeln für das Schutzgebiet mit dem begehrten Siegel: mindestens drei Prozent Kernzone, ungenutzte Natur. Genau das wird zum Knackpunkt.
Waldbesitzer – kommunale wie private – fürchten Einschränkungen. Viele wollen sich ihre wirtschaftlichen Optionen nicht nehmen lassen. Eine Fläche von mindestens 5.500 Hektar wäre nötig. Trotz monatelanger Gespräche, trotz Gutachten kommt sie nicht zusammen.
Hinzu kommt die Angst vor einem Bürokratiemonster. In den Bürgerforen taucht diese Sorge immer wieder auf – dokumentiert in den offiziellen Auswertungen der Diskussionen. Die lesen sich wie ein Angstschrei. Der SPHÄRMAN listet eine kleine Auswahl auf. Wer die komplette Tabelle durchackern will, klickt → hier.
- Land- und Forstwirtschaft: Vorgaben, Verbote und Vorschriften schaffen mehr Bürokratie und Einschränkungen bei der forstwirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Nutzung. // Schädlinge können sich ausgehend von der Kernzone in Nachbarflächen ausbreiten. // Nachträgliche Änderungen der Bewirtschaftungsauflagen nach Einführung des Biosphärenreservats. // CO2-Bindung sei in Wirtschaftswäldern teilweise höher als in Naturwäldern.
- Tourismus: Im Zuge der touristischen Inwertsetzung und des Aufbaus zusätzlicher touristischer Angebote wird die Gefahr einer Übererschließung und eines ungesteuerten Tourismus gesehen, der punktuell zu Überlastungserscheinungen führen kann. // Erhöhte Zahlungsbereitschaft für zertifizierte Regionalprodukte fraglich.
- Gewerbe, Handwerk, Industrie, Daseinsvorsorge: Es wird die Gefahr gesehen, dass ein Biosphärenreservat die wirtschaftliche Entwicklung und Ansiedlung von Industriegebieten erschwert. // Hohe Auflagen können zur Abwanderung von Betrieben führen. // Die Umsetzung eines Biosphärenreservats bringt keine erkennbaren Vorteile für Gewerbe und Handwerk.
- Einbindung der Bevölkerung: Die Vorteile eines Biosphärenreservats werden zu positiv und realitätsfern dargestellt, u.a. das Kostenrisiko. // Gefahr der Verunglimpfung von Interessengruppen. // Es kommt zu einer Fremdbestimmung und statt einer Beteiligung findet eine Bevormundung statt.
Unterm Strich steht da: Zu viele Vorschriften und Verbote und zu wenig Vorteile durch noch mehr Bürokratie und Überwachung. Und wie reagieren die Biosphärenträumer in den Landkreisen und der Stadt Aschaffenburg darauf? Sie winken ab. Alles nicht so schlimm.
Aber sogar die Machbarkeitsstudie weist auf die notwendige Einrichtung einer eigenen Verwaltung hin: hauptamtliches Fachpersonal, ein Informationszentrum, Monitoring-Strukturen: Das ist für die Warner vor dem Biosphärenmonster ein gefundenes Fressen.
Das Aus und der Widerstand
Bayerns stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger greift diese Kritik öffentlich auf. Er bezeichnet das geplante Biosphärenreservat als „Schnapsidee“ und „totes Pferd“ und warnt vor Regeln, die man „von außen aufstülpen“ wolle. In einem offenen Brief bekräftigt er seine Haltung, er fühle sich verpflichtet, „Fehlentwicklungen“ auf Staatsforstflächen zu verhindern, insbesondere wenn sie mit zu viel Bürokratie einhergingen.
Kritik zieht auch die 200.000 Euro teure Machbarkeitsstudie auf sich, die von den Kreistagen Miltenberg, Main-Spessart, Aschaffenburg, sowie vom Stadtrat Aschaffenburgs bestellt wurde, bevor geprüft worden war, ob überhaupt genügend Bereitschaft zur Ausweisung einer Kernzone vorhanden sei. Wurde hier unnötig Geld verschwendet?
Am 8. Juli 2025 ist es dann amtlich: Der Landkreis Aschaffenburg verkündet, dass die Voraussetzungen für eine Bewerbung nicht gegeben sind. Das Projekt UNESCO-Biosphärenreservat Spessart ist faktisch beendet.





Die Entscheidung war auch absolut richtig, wenn man bedenkt, dass der ohnehin schon von der Leistungs- und Investitionsfeindlichen Öko- und Sozialkamarilla heruntergewirtschaftete Finanzplatz Frankfurt bereits jetzt keinen Strom mehr hat für die benötigten Datencenter, damit der ansässige Rest der Finanzindustrie in Sachen KI mit der Konkurrenz mithalten kann.
dasselbe gilt übrigens auch für den Schwarzwald eine der Regionen mit dem stärksten Mittelstand in Deutschland, welche jetzt schon unter dem hohen Strompreisen leidet und wo eine Verschwendung von Ressourcen für unsinnige ABM Klientelpolitik der Wirtschaft noch weiter Knüppel zwischen die Füße werfen wird. Die Folge ist bereits in vielen Regionen Deutschlands absehbar – Unternehmen gehen kaputt, verlagern Produktion ins Ausland und zahlen weniger Steuern. Die Arbeiter stehen wegen der nicht vorhandenen Energiestrategie auf der Strasse – und Jobs werden nur an leistungsfremde ideologieträger in überflüssigen und kontraproduktiven Projekten und staatsfinanzierten Propagandaorganen geschaffen. Eine Schande!
Hoffen wir auf einen Wechsel in der Landespolitik, damit zukünftig auch Geld für Umweltschutz da ist – und nicht alles für Ökobeamte draufgeht. Diese Energie und Umwelt und Wirtschaftspolitik vernichtet den Mittelstand und den sozialen Frieden in ungeahntem Maße. Daran sind auch nicht nur Habeck und scholz schuld – sondern auch die opportunistische Politik von Angela merkel die einen grundsätzlichen Atomausstieg ohne Übergangslösung ermöglicht hat – und was uns jetzt nach der Vollendung durch habeck ca. 300-600 Mrd. € gekostet hat. Jetzt müssen Prioritäten für die soziale und ökologishe Zukunft gesetzt werden!
Sonst droht bei der nächsen Wahl und weiterem Politikversagen und ideologischer Denkverbote eine AfD REgierung sowie Deindustrialisierung und soziale Spannungen ungeahnten Ausmasses.